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FOCUS Ausgabe 24-2021
11.06.2021
Freitags ab 18 Uhr
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Top-Manager Reitzle warnt vor „dominantem Staat und planwirtschaftlichen Ansätzen“

Berlin. Wolfgang Reitzle, Ober-Kontrolleur bei den Dax-Schwergewichten Continental und Linde, sieht „in Deutschland zunehmend Tendenzen hin zu einem nicht nur starken, sondern dominanten Staat und damit einhergehend zu planwirtschaftlichen Ansätzen“. Corona habe die Entwicklung „nur befeuert“, sagte der Top-Manager in einem Interview mit dem Berliner Nachrichtenmagazin FOCUS. „In der Klimapolitik wird nahtlos das fortgesetzt, was beim Virus mit Notmaßnahmen aller Art begann.“ Er befürchte, „dass zunehmend faktenfrei Themen gesetzt werden, die dann mit vermeintlich einfachen Lösungen bedient werden“. Bestes Beispiel sei „das angebliche Allheilmittel des batterie-betriebenen Elektroautos. Credo dort: Der Verbrennungsmotor ist das Böse, also muss er abgeschafft werden. Würde man das Thema zur Abwechslung technologie-offen angehen, könnte man’s ja mal mit der Förderung synthetischer Kraftstoffe probieren“, so Reitzle gegenüber FOCUS. Solche Themen würden „aber gar nicht mehr beachtet, weil sie sich politisch nicht so schön vermarkten lassen“. Reitzle warnt: „Es geht also offensichtlich weniger ums Klima, dem ich übrigens auch helfen will, sondern um Ideologie. Um Schwarz-Weiß-Kategorien, um Gut und Böse. Das wird leider auch den deutschen Wahlkampf bestimmen. Und unser Strom wird noch schmutziger, wenn nächstes Jahr unsere letzten Kernkraftwerke abgeschaltet werden.“

Ex-Telekom-Chef Obermann besorgt über „wachsende Staatsgläubigkeit“ in Deutschland / Idee eines neues Kern-Europas

Berlin. Der frühere Telekom-Chef René Obermann spricht sich für mehr Investitionen in ökonomische Bildung, weniger Staat und eine gezielte Einwanderungspolitik aus: „Für eine unternehmerisch führende, innovative Nation, die wir werden können, gehören die Grundlagen der Wirtschaft und globalen Wirtschaftsethik auf den Lehrplan“, schreibt der Top-Manager in einem Essay fürs Berliner Nachrichtenmagazin FOCUS. Schon früh in der Schule würden „Vor- und Leitbilder geprägt. Forderungen nach erweiterten staatlichen Aufgaben oder gar Rückverstaatlichungen sollten wir stattdessen skeptisch gegenüberstehen“, mahnt Obermann. Als Vorstandschef der Deutschen Telekom habe er „lange an der Modernisierung eines ehemaligen Staatskonzerns mitgearbeitet, dessen Beschäftigte sehr kompetent und engagiert waren. Aber staatliches Monopoldenken hatte dort über Jahrzehnte eine ineffiziente Bürokratie und Hierarchie begünstigt, die jede Kreativität dieser tollen Menschen unterdrückt hat.“ Deshalb sei er auch „besorgt über die wachsende Staatsgläubigkeit in Teilen der Politik und Gesellschaft“. Was das Land stattdessen brauche, skizziert er in seinem FOCUS-Essay: mehr Chancengerechtigkeit und Teilhabe, aber auch „ein stark integriertes Europa“. Deutschland ohne EU sei „wie Kalifornien ohne den Rest der USA“. Obermann mahnte auch die demographische Entwicklung an: „Wir brauchen qualifizierte oder mindestens lernwillige junge Menschen aus aller Welt.“ Die soziale Marktwirtschaft deutscher Prägung könne da durchaus „über die nächsten Jahrzehnte eine Art Blaupause für die Welt werden“. Zugleich empfiehlt er: „Deutschland und Frankreich könnten ein neues Kern-Europa bauen. Jetzt. Trotz aller Unterschiede, die wir zu Frankreich haben. Und dann könnten wir die anderen Länder einladen, sich daran zu beteiligen, aber auch harte Regeln dieser neuen Einheit zu akzeptieren.“ Der 58-jährige Obermann führt mittlerweile als Europachef von Berlin aus das Deutschlandgeschäft der US-Private-Equity-Gesellschaft Warburg Pincus. Obermann ist zudem Verwaltungsratschef von Airbus.

Bundesbürger wünschen sich, dass Wirtschaft beim Klimaschutz Vorreiterrolle übernimmt

Berlin. Wenn es um Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht, soll die deutsche Wirtschaft eine Vorreiterrolle in der Welt spielen. Dafür sprechen sich 49 Prozent der Bundesbürger aus. Nur 38 Prozent finden, es reiche aus, „so viel zu tun wie andere Länder auch“. Lediglich neun Prozent meinen, die deutsche Wirtschaft solle weniger unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar, im Auftrag des Nachrichtenmagazins Focus, die mit 1004 Befragten in der Zeit von 3. bis 8. Juni stattfand. Die Antworten unterschieden sich vor allem in Bezug auf die befragten Bildungsgruppen. Nur 38 Prozent der Volks- und Hauptschüler waren der Ansicht, dass die deutsche Wirtschaft eine Vorreiterrolle übernehmen müsse. Dagegen sprachen sich 66 Prozent mit Abitur oder Hochschulabschluss dafür aus, dass das Land beim Klimaschutz vorangehen müsse. Eher durchwachsene Noten gab es bei der Frage, wie gut die hiesige Wirtschaft auf die großen Zukunftsherausforderungen vorbereitet sei. Die meisten Befragten gaben als Schulnote eine drei oder vier ab. Unterm Strich lag der Schnitt bei 3,3.

Kardinal Müller kritisiert Rücktrittsgesuch von Marx scharf

Berlin. Der frühere Glaubenspräfekt im Vatikan Gerhard Ludwig Müller hat das Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx scharf kritisiert. Er habe sich gewundert, „dass man die Entscheidung auf eine Theater-Bühne gezogen hat und das Gottes Volk zu einem Publikum umfunktioniert“, das entweder Beifall klatschen oder Buh rufen solle. „Das widerspricht dem Sinn eines geistlichen Amtes für das Heil der Menschen,“ sagte der deutsche Kardinal Müller dem FOCUS-Magazin. Der Kardinal kritisierte auch den Führungsstil von Papst Franziskus. Auf die FOCUS-Frage, ob es im Vatikan heute zu viele Jasager gebe, antwortete er: „Das ist offensichtlich, wer das nicht begreift, ist auf allen Hühneraugen blind.“